Loretto
Josefskapelle
Josefskapelle
Palmesel-Loretto-2
Palmesel-Loretto-2
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Josefskapelle

Die 1671 erreichtete und 1685 geweihte Josefskapelle ist ein quadratischer Zentralbau mit massiver Wölbung unter einem hohen, steilen Satteldach. Dem Haupraum sind an allen vier Seiten rechteckige Nischen angefügt, so dass zumidest im Innern eine kreuzförmige Anlage spürbar wird.

Die Wirkung des Inneren beruht auf der Weiträumigkeit des symmetrischen Zentralbaus. Das Gewölbe betont den zentralisierenden Charakter. Es handelt sich um ein Klostergewölbe, das von acht Kämpferpunkten ausgehend zu dem mit einem vierpassförmigen Stuckfeld verzierten Kuppelscheitel aufsteigt.
Die mit Stuckleisten besetzen Gewölbegrate verlaufen diagonal zu den Umfassungsmauern und bilden ein Kreuz aus.
Die an allen Bauteilen sichtbaren Bezüge zur Kreuzform sind architekturikonologisch bergündet. Als 1671 bereits der Rohbau vollendet war, wird die Kapelle als "Capella pro Sepulchro Salvatoris", d.h. als Kapelle für das Grab des Erlösers bezeichnet. Am Hochaltar von 1727 befindet sich die Inschrift "MORTEM MORIENDO DESTRUXIT" (Durch seinen Tod hat er den Tod vernichtet), die auf die Bestimmung als Heilggrabkapelle verweist.
Seit 1980 wird die alte Tradition durch die Aufstellung des Heiliggrabes aus der Pfarrkirche vom Karfreitag bis zum Weißen Sonntag vor dem Altar der Josefskapelle wieder fortgeführt.

Die qualitätvollen Altäre der Erbauungszeit (vor 1685) in den seitlichen Altarnischen und der Hochaltar von 1727 sind die wichtigsten Ausstattungsstücke. Der reicher verzierte und mit gedrehten Säulen ausgestattete Hauptaltar wurde 1873 verändert und mit dem Gemälde der hl. Familie geschmückt, auf dem nunmehr neben der Jungfrau Maria der hl. Josef ins Zentrum rückt.
Die seitlichen Altargemäde zeigen auf der Nordseite die Vermählung Mariens und auf der Südseite die Geburt Christi und die Anbetung durch die Hirten.
Alle drei Altarblätter von der hand des einheimischen Malers Claudius Schraudolph sind heute als Beispiel einer weit überdurchschnittlichen Qualität spätnazarenischer Malerei zu schätzen.

Links und rechts des Hauptaltars befinden sich die seit der jüngsten Restaurierung wieder an ihren Platz zurückgeführten barocken Holzfiguren des hl. Magnus und des hl. Antonius von Padua.
Erst seit 1903 wird der wertvolle Palmesel aus der Pfarrkirche in der Josefskapelle aufbewahrt. Der Palmesel, auf dem Christus mit der zum Segensgestus erhobenen Rechten reitet, ist ein auf 1729 datiertes Werk des bedeutenden, aus Oberstdorf gebürtigen Barockbildhauers Franz Xaver Schmädl (1705-1777).
Die barocke Sansteinfigur des hl. Nepomuk an der nördlichen Westwand steht erst seit dem Jahr 2000 in der Josefskapelle. Die von dem Augsburger Domkapitular Bernhard Hornstein 1782 gestiftete Skulptur befand sich früher am Marktplatz (dort ist jetzt ein Abguss).