Vereinsmesse
Kapelle Reichenbach Winter
Kapelle Reichenbach Winter
Reichenbach-Altar
Reichenbach-Altar
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Die Kapelle St. Jakobus in Reichenbach

Die Reichenbacher Kapelle steht östlich des Dorfes in leicht ansteigendem Gelände, umrahmt von Wiesen und wilden Kirschbäumen.

Die Kapelle wurde 1540 über der ursprünglich spätgotischen Umfassungsmauer in der heutigen Form erbaut. Das Meister-zeichen mit Jahreszahl hat sich im gotischen Dachstuhl erhalten, ebenso eine Glocke aus dieser Zeit. Nach der Pfarrbeschreibung von 1593 hatte Reichenbach drei Altäre: zu Ehren der hl. Drei Könige, des hl. Jakobus und der hl. Anna.

Die heutige kostbare Ausstattung entstammt verschiedenen Jahrhunderten.

Mittelpunkt der Kapelle ist der herrliche Schreinaltar mit der Jahreszahl 1495 und den Figuren aus Ulmer und Memminger Werkstätten.
von links: hl. Kreszentia, Johannes der Täufer, hl. Katharina, Muttergottes mit Jesuskind, hl. Elisabeth, hl. Sebastian und hl. Vitus.
Die ehemalige Rückwand mit dem Tafelbild Marientod hängt im südl. Langhaus.

Der Kirchenpatron, Jakobus der Ältere, ist über dem südlichen Seitenaltar in der Rundbogennische zu sehen. Zu seinen Füßen wird das wohl ältere Modell der Kapelle Reichenbach vermutet. Im Kirchengang sind drei Kreuze eingelassen, welche auf einen Ausgangspunkt für Jakobspilgerreisen nach Santiago di Compostella in Spanien hinweisen. Dem hl. Jakobus, bewährter Helfer bei Furunkelleiden, wurden früher gegen „Aiß" Besen geopfert. (Nach-dem man nicht mehr wusste, was man mit den vielen Besen anfangen sollte, wurden Geldopfer erbeten.)
Im nördlichen Seitenaltar, Marienaltar, steht seit 1947 eine Fatima Muttergottes. Pfarrer Schiebel begründete damals die heute noch beliebte Andacht zu Ehren der Mutter Gottes von Fatima.
Weiter ist die Kapelle mit den Figuren hl. Ulrich, hl. Wendelin, hl. Antonius und hl. Franziskus sowie einer barocken Kreuzigungs-gruppe ausgeschmückt. Anlässlich der im Jahre 1764 durchgeführten Renovierung wurden dem Chor eine Sakristei angefügt und die neuen Putzdecken eingezogen.
Die Pfarrchronik berichtet 1798: „der Palmesel wurde am Vorabend des Palmsonntags nach Reichenbach in die Kapelle gebracht, während der Nacht brannten dort Wachslichter, am Morgen war mit demselben Einzug in Schöllang, die Kinder bekamen Bentzelabrod von der Palmeselstiftung“.
1804 sollte nach dem Schreiben vom Kurfürstlichen Landgericht Sonthofen neben der Burgkirche auch die Kapelle Reichenbach abgebrochen und das Vermögen der Kapelle „rasiert“ werden. Pfarrer Müller verhinderte erfolgreich den Abbruch der Kapelle St. Jakobus, welche schon damals als eine der ältesten Kapellen im Umkreis bekannt war.
1828/29 „Thürmlein“ und Dachdeckung
Bereits 1866 wurde die Kapelle mit ihrer inneren Einrichtung „in der Feuerversicherungs- Anstalt für Gebäude in den Gebietstheilen diesseits des Rheins versichert“. Beim großen Brand 1865 in Oberstdorf war bekanntlich die dortige Pfarrkirche abgebrannt.
1876 Dachdeckung der Kapelle mit Schiefer
Der Mesnerdienst wurde bis 1888 im Turnus nach Hausnummern übernommen.
Die Ortsgemeinde Reichenbach bezahlt 1908 „fürs Kappelwaschen“ 5 Maß Bier und Brot.
Im Kriegsjahr 1917 wurde auch von Reichenbach eine Glocke enteignet.

Pfarrer Johann Baptist Schiebel, der Erschließer der Breitachklamm, verbrachte seinen Ruhestand, von 1936 bis zu seinem Tod 1963, in Reichenbach. Er feierte viele Messen und 1945 sein Goldenes Priesterjubiläum in der Kapelle St. Jakobus.
Nach Pfarrer Schiebel und Pfarrer Lebmeier übernahm 1972 Jakob Freudig das Amt des Kapellenpflegers.
Maria Triebenbacher versieht seit 1979 das Mesneramt.
Die letzte Innenrenovierung wurde 1952 durchgeführt.

Im Jahr 1995 feierte die Dorfgemeinde Reichen- bach „500 Jahre Strigel-Altar“ mit einem großen Kappel-Fest, das gleichzeitig auch der Startschuss für einen Spendenaufruf zur dringend notwendigen Außen-Sanierung wurde. Bereits im folgenden Jahr wurde unter Kirchenpfleger Alois Burkart und Kapellenpfleger Jakob Freudig mit der Renovierung der Kapelle begonnen. Der historische Dachstuhl ausgebessert, das Dach neu gedeckt, der Turm erneuert, die Grundmauern trockengelegt und die Fassade verputzt. Familie Freudig stiftete eine neue Glocke. Im Herbst 1997 wurden die Renovierungsarbeiten an der Außenfassade abgeschlossen und die Kapelle St. Jakobus erstrahlt seither in neuem Glanz.
Agnes Schöll
Quellen: Pfarrarchiv, Kunstdenkmäler im Landkreis Sonthofen,
Kapellenpfleger J. Freudig, Altar-Bilder: Adolf Schleich

Ansprechpartner: Pfarrer Maurus B. Mayer - Kontakt über das Pfarrbüro
Tel.: 08322/977550