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Ungläubiger Thomas
Ungläubiger Thomas
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Der ungläubige Thomas

Liebe Pfarrgemeinde, verehrte Gäste! Der ungläubige Thomas gehört sicher zur Schar der verkannten Heiligen. Er muss sich immer noch dafür rechtfertigen, dass er damals in Jerusalem einfach nicht glauben wollte, dass Jesus lebt.

Er war am Ostertag nicht anwesend, als die Jünger den auferstandenen Herrn sahen. Und so sagt er: „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht!“ (Joh 20,25) - Das gefällt mir am Apostel Thomas, dass er nicht gleich alles glaubt, was die anderen sagen. Er macht sich seine eigenen Gedanken und fragt nach. Jesu Tod am Kreuz war offenkundig. Wieso soll er jetzt leben? Wenn es um Leben oder Tod geht, macht man eben keine Späße! Auch die anderen Jünger haben sich schwer getan mit dem Glauben, aber niemand hat es so deutlich gesagt wie Thomas. „Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen.“ So heißt es im Evangelium vom 2. Sonntag in der Osterzeit weiter. „Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ (Joh 20,26-27) - Die Osterbotschaft vom auferstandenen Herrn und von unserer eigenen Auferstehung, also vom Leben in Gott, ist die Nagelprobe des Glaubens. „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos“ (1 Kor 15,14), so hatte es schon der Apostel Paulus an die Christengemeinde in Korinth geschrieben. Als das Johannesevangelium gegen Ende des 1. Jahrhunderts verfasst wurde, war die Lage der Christen im römischen Reich noch bedrängender geworden, und manche zweifelten an der Botschaft Christi. Ihnen und uns gilt das Wort des Auferstandenen an Thomas: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Joh 20,29) - Diesen österlichen Glauben wünsche ich uns allen!

Herzlichen Gruß! Ihr Pfarrer Peter Guggenberger