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Benedetto 6
Benedetto 6
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Was ist denn im Vatikan los?

Das sind derzeit nicht nur für Papst Benedikt XVI. stürmische Tage, sondern für die ganze Kirche!

Der „Gnadenakt“ des Papstes, die vier abtrünnigen Bischöfe, die vor zwanzig Jahren durch den damaligen Erzbischof Marcel Lefebvre widerrechtlich geweiht worden waren, durch die Zurücknahme der Exkommunikation wieder in die Kirche aufzunehmen, löste einen Sturm der Entrüstung aus, nicht zuletzt, weil einer von ihnen den „Holocaust“, die Vernichtung von 6 Millionen Juden („Shoah“) durch die Nationalsozialisten, leug-net. Am 4. Februar hat nun der Vatikan eine Stellungnahme veröffentlicht, die an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig lässt:
1. Die Aufhebung der Exkommunikation soll es den vier betroffenen Bischöfen ermöglichen, ihrerseits wieder in die volle Kirchengemeinschaft zurück zu finden. Der Papst „wollte ein Hindernis beseitigen, das der Öffnung einer Tür zum Dialog entgegenstand. Er erwar-tet jetzt, dass die vier Bischöfe in völliger Folgsamkeit gegenüber der Lehre und der Disziplin der katholischen Kirche eine ebensolche Bereitschaft zum Ausdruck bringen“.
2. „Für eine künftige Anerkennung der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. ist die volle Anerkennung des 2. Vatikanischen Konzil und des Lehramtes der Päpste Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul I., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. unverzichtbare Voraussetzung“. Bis dahin bleiben alle vier Bischöfe „suspendiert“, d.h. sie dürfen keinerlei bischöfliche Funktionen ausüben!
3. „Die Positionen von Bischof Williamson über die Shoah sind absolut inakzeptabel und werden vom Heiligen Vater entschieden zurückgewiesen. Um eine Zulassung zu bischöflichen Funktionen in der Kirche zu erhalten, muss sich auch Bischof Williamson absolut un-missverständlich und öffentlich von seinen Aussagen zur Shoah distanzieren. Sie waren dem Heiligen Vater im Augenblick der Rücknahme der Exkommunikation nicht bekannt.“
Ich kenne kein kirchliches Dokument, das mit einer so eindeutigen Sprache einen Sachverhalt feststellt. Hier wird nicht diplomatisch umschrieben, sondern eindeutig festgestellt: Papst Benedikt XVI. war nicht ausreichend informiert, als er das ihm vorgelegte Dekret zur Aufhebung der Exkommunikation genehmigte. Er wollte den
ersten Schritt zum langen Weg der Wiedereingliederung der abgespaltenen Priesterbruderschaft machen. Ob dies tatsächlich gelingt, ist mehr als fraglich, weil die Priesterbruderschaft bislang alles ablehnt, was mit dem Konzil zusammenhängt, insbesondere die Dekrete zum Ökumenismus und zur Religionsfreiheit, sowie die erneuerte Liturgie in der Muttersprache, wie sie nun seit über vierzig Jahren gefei-ert wird. Derzeit droht die Gefahr, dass die vier Bischöfe der weltweiten Piusbruderschaft mit etwa 400.000 Anhängern weitere Bischöfe als ihre Nachfolger weihen. Damit wäre der Bruch ebenso endgültig wie die Abspaltung der sog. „Altkatholischen Kirche“ nach 1870, die bis heute nicht überwunden werden konnte, von den beiden großen Kirchenspaltungen im Jahr 1054 (Orthodoxe Kirchen) und 1517 (Kirchen der Reformation) ganz zu schweigen.
Der Petrusdienst des Bischofs von Rom ist ein Dienst an der Einheit. Es ist deshalb besonders tragisch, dass sich die Kirchenspaltungen gerade durch die Zerwürfnisse mit dem Papsttum ergeben haben. Umso wichtiger ist es, mit den getrennten Kirchen im Dialog zu sein, voneinander zu lernen, miteinander zu reden und gemeinsam Jesus Christus nachfolgen.
Ihr Pfarrer Peter Guggenberger